Dezember 2020: Ist das Licht am Ende des Tunnels

Dezember 2020: Ist das Licht am Ende des Tunnels

Zuversicht oder der entgegenkommender Zug?

Ja, die Zeiten sind wirklich einmalig, und ein verrücktes Jahr geht zu Ende: Die Lebensbedingungen für nahezu alle Menschen und die Arbeits-bedingungen für die meisten haben sich in diesem Jahr verändert und das nicht nur vorübergehend. Wir wurden mit der eigenen Verletzbarkeit und der unserer Systeme konfrontiert wie seit Jahrzehnten nicht mehr und dadurch heftig herausgerissen aus unserem Wohlstandstraum.

Viele haben mit Schrecken oder gar Entsetzen bemerkt, dass Sicherheit eine relative Angelegenheit und vielen Imponderabilien unterworfen ist. Wir haben Menschen, leider auch an verantwortlicher Stelle, erlebt, die sich in Katastrophenszenarien und Schwarzmalerei gefielen und so zu einer weiteren Verunsicherung beitrugen.

Andererseits gab es auch andere, die die Situation mit Augenmaß betrachteten und sich um eine realistische Sichtweise bemühten. Die einen trugen (und tragen) dazu bei, dass sich schleichend und nicht greifbar eine von Angst beeinflusste Atmosphäre breit macht, gegen die sich auch eher positive Menschen oft nur schlecht erwehren können.

Die anderen helfen dabei, das Geschehen und das damit verbundene Gefühl der Hilflosigkeit einzuordnen und mit einem, wenn auch kleinen, Maß an Gelassenheit zu ertragen. Und so recht kann man nicht in jedem Fall unterscheiden, ob es den verantwortlich politisch Handelnden wirklich um die Sorge um die Menschen oder um eigene (umfragegetriebene) Interessen geht. Die Krise als Karriere-treiber. Aber nehmen wir das Beste an!

Wie lässt sich das Jahr bewerten?

Welches Fazit kann jede/r am Ende dieses Jahres ziehen, was kann jede/r von uns am Ende dieses Jahres aus den letzten zwölf Monaten mitnehmen? Was und wo sind denn nun die vielen Chancen, besonders für den einzelnen, die angeblich einer Krise innewohnen? Die Antwort darauf kann nur individuell ausfallen. Ich möchte Ihnen daher nicht raten, sondern lediglich ein paar Perspektiven aufzeigen, die auch hinsichtlich der Chancen in Ihren persönlichen Jahresrückblick einfließen können.

Nochmal davongekommen

Zunächst einmal: Die meisten von uns sind bislang „davongekommen“. Zwar hat es mal im Hals gekratzt, auch die Stirn fühlte sich heiß an, aber letztlich war da nichts, es waren Signale der Psyche. „Ich habe jede Woche einmal Corona“, sagte mir ein Kunde und meinte damit die Streiche, die ihm die Psyche spielte. Vielleicht waren Sie aber infiziert, haben es gar nicht bemerkt oder erlebten einen leichten Verlauf. Gratulation auch dazu, dass es nicht schlimmer wurde. So gut sind einige mit schwereren Verläufen nicht weg-gekommen. Nahezu jeder kennt leider jemanden, den es dann doch schwer getroffen hat. Das bedrückt.

Auch wirtschaftlich sind nach meiner Kenntnis in unserem Kundenkreis alle „davongekommen“, der eine oder die andere hat sogar durch die Krise zusätzliche Umsätze generieren können. Beulen und Dellen gab es hier und da reichlich, auch wir bei synthesis hatten damit zu kämpfen, konnten doch über einen längeren Zeitraum keine Veranstaltungen in Präsenz durchgeführt werden.

Lernen und leiden

Stattdessen haben wir hier gelernt: Welche Seminarinhalte online vermittelt werden können und welche nicht und, sehr wichtig, wie auch Coachings online durchgeführt werden können. Wir wissen (nicht erst jetzt) durch Erfahrung auch, dass der persönliche Kontakt fast immer die Qualität und auch die Geschwindigkeit des Kontaktinhaltes steigert.

Großes Mitgefühl gilt aber denen, deren wirtschaftliche Existenz durch die Ereignisse der letzten 10 Monate zerstört wurde: Kolleg*innen, Künstler*innen und Kultureinrichtungen, Gastronom*innen u.v.a. Bedrückend für diesen Kreis ist, dass ihre Situation kaum eigenem Verschulden zuzuschreiben ist, sondern durch die Umstände dieser Zeit und die Maßnahmen der Verantwortlichen bewirkt wurde. Ein Konsumgut wird sicher nach der Krise nachgekauft. Eine Weihnachtsfeier oder eine Theateraufführung nicht. Weg ist weg.

Wie ist die Psyche davongekommen?

Wenn wir also gesundheitlich und wirtschaftlich davongekommen sind, wie sieht es dann mit der Psyche aus? Wo befinden wir uns auf der Achse zwischen Panik und Zuversicht? Existenzanalytisch betrachtet hat uns das Leben in den letzten 10 Monaten einige Fragen gestellt und jede/n zu Antworten aufgefordert:

  • Wie willst du/kannst du mit Unwägbarkeiten umgehen?
  • Wie ist es um deine Resilienz bestellt?
  • Wie ist es um deine Flexibilität bestellt?
  • Wie stabil ist dein Wertesystem, sind diese Werte wirklich deine Werte?
  • Ist der Weg, den du bislang gegangen bist, wirklich dein Weg?
  • u.v.m.

Bestandsaufnahme: Stärken und Schwächen

In herausfordernden Zeiten hat jede/r die Chance, Seiten an sich kennen zu lernen, von denen er/sie bislang gar nichts gewusst hat: Stärken, die bislang eher brach lagen, wie auch Schwächen, die bislang im Verborgenen schlum-merten, dort gut versteckt. Zu den Stärken können Fähigkeiten wie Kreativität im Umgang mit Herausforderungen, Mut zum Wagnis, Grundvertrauen in die eigene Person, Kraft für die Unterstützung anderer usw. gehören.

Bei den Schwächen treffen wir vielleicht auf bislang ungekannte Ängste, Hilflosigkeit, eine bislang nicht gekannte Lähmung, große Trauer und Traurigkeit; aber auch Wut auf die Situation, auf die für den Umgang mit der Situation verantwortlichen Personen und die Einschränkungen, die eben diese Personen allen auferlegen. Manch einer möchte sich am liebsten ins Bett legen, die Decke über die Ohren ziehen und erst wieder hervorkommen, wenn alles vorbei ist. Leider funktioniert das Leben so nicht.

Das Leben ruft uns zu: Stelle Dich! Deine guten und unterstützenden wie deine eher ungeliebten und behindernden Gedanken und Gefühle sind nun einmal da, sie gehören zu dir. Die Herausforderung besteht darin, mit ihnen und trotz ihnen den Weg des eigenen Lebens zu gehen und dabei sowohl zu leiden als auch Erfolg zu haben. Das zu können ist ein Merkmal erwachsener Menschen. Viktor Frankl hätte wahrscheinlich auch in dieser Zeit wieder gesagt: Trotzdem Ja zum Leben, zu meinem Leben, sagen!

Weihnachten steht vor der Tür – was wird werden?

Werden wir wie jedes Jahr die gleichen Rituale, die uns so lieb geworden sind und zu Weihnachten gehören wie das Amen in der Kirche, durchführen und erleben dürfen? Werden wir alle unsere Lieben, wie sonst auch, in die Arme schließen können und dürfen, mit ihnen an einem Tisch sitzen und Weihnachtslieder singen? Wird die zur Gewohnheit gewordene winterliche Skitour möglich sein?

Wer weiß? Nach Lage der Dinge wird es nicht ein Weihnachten wie viele zuvor werden. Es wird ein neues Weihnachten werden, und wir werden vielleicht dem „alten“ Weihnachten nachtrauern und das andersgeartete Fest dennoch mit hoher Wahrscheinlichkeit überleben. Dabei werden wir spüren, wie wertvoll und wichtig sowie stabilisierend Traditionen und Rituale für uns sind – daran, dass wir diesmal zumindest nicht alle von ihnen pflegen können.

Trauriges Weihnachten? – der Realitätscheck

Weshalb eigentlich nachtrauern? Was uns in der jetzigen, von Corona bestimmten Zeit, oft das Leben schwer macht, ist der Vergleich mit der Vergangenheit: Vorher oder früher war alles anders, und (sehr) vieles davon möchte man gerne wiederhaben! Unser größtes und wirksamstes Referenzsystem ist die eigene erlebte Vergangenheit mit den Wertesystemen, und der Bezug darauf ist völlig normal – nur in der aktuellen Situation zur Hebung der Stimmung und des Wohlbefindens nicht unbedingt hilfreich. Vielmehr zieht es uns oft runter, weil vieles nicht so ist, wie wir es kennen und mögen.

Was uns jetzt (wieder einmal) helfen kann, auch im Hinblick auf ein schönes und vielleicht anderes Weihnachtsfest, ist der Blick auf die Realität: Was ist in meinem Leben wirklich los, worauf kann ich Einfluss nehmen und wie werde ich diese Möglichkeiten nutzen? Wenn wir ehrlich sind, können wir ohne Schönfärberei feststellen, dass es uns in diesem Lande und in dieser Situation noch immer, trotz aller Einschränkungen, die im Einzelfall auch zu belastenden Situationen führen, verdammt gut geht!

Quellen des Wohlbefindens

So ganz nebenbei können wir jetzt auch bemerken und feststellen, welchen Dingen oder Verhältnissen wir bisher den Grad unseres Wohlbefindens zugeschrieben haben und die vermutlich in der Mehrzahl außerhalb unserer Person liegen: Reisen, Gaststättenbesuchen, Shopping, Genussmittel usw. Wohlgemerkt: Das war und ist völlig in Ordnung, aber wo und wie tief sind Quellen unseres Wohlbefindens in uns selbst, jetzt wo es nicht möglich ist, die vorgenannten außenliegenden Quellen anzuzapfen? Woher sollen denn jetzt Selbstvertrauen und die Zuversicht, dass alles schon wieder wird, noch herkommen, wenn nicht aus uns selbst?

Zuversicht – woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Zuversicht ist gefragt, Mut und Denken in Möglichkeiten. Nur so kann der schleichenden Angst und Unsicherheit in unserer Gesellschaft begegnet werden. Wo finden wir nun diese Zuversicht? Die Antwort ist recht einfach: Zuallererst in uns selbst, in unserer Geschichte, in den erfolgreich bewältigten Herausforderungen. Und aus dem Wissen und der Erfahrung, dass in jeder Krise die Chance steckt, etwas Neues, besseres hervorzubringen. Kann, nicht muss, es hängt sehr vom Engagement vieler, wenn nicht gar aller ab.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind passionierter Bergsteiger und klettern eine Wand hoch. Unterwegs merken Sie, dass der Weg länger und die Schwierigkeit größer ist als von Ihnen erwartet, und auch das Wetter wird schlechter. Nun merken Sie zusätzlich, dass ihre Kraft langsam nachlässt. Was brauchen Sie jetzt? Zum einen gutes Werkzeug, aber das allein hilft nicht. Zum anderen weiterhin Mut und vor allem Zuversicht: „Ich werde das packen!“ und Selbstvertrauen: „Da habe ich schon ganz andere Situationen gemeistert!“ Das Ganze muss in einem Möglichkeitsrahmen bleiben: Für einen erfolgreichen Aufstieg zum Mount Everest braucht es natürlich noch ein wenig mehr als nur Zuversicht und Selbstvertrauen.

Wichtige Ressourcen für Unternehmer*innen und Selbständige

Diese Zuversicht, das Vertrauen in die eigene Kraft und Gestaltungsfähigkeit begleitet Unternehmer*innen nicht nur in der Anfangsphase ihrer Unterneh-mung, sondern das ganze Leben lang. Wichtig ist dabei, wie im Bergsteiger-beispiel genannt, auch der Realitätsbezug, der gerne mit einer Prise Fantasie ergänzt werden darf.

„Hätte, hätte, Fahrradkette“ – erinnern Sie sich noch? Hätte ich doch das gemacht und jenes gelassen – habe ich aber nicht! Zum Realitätsbezug gehört eben auch der Indikativ: Träumen, um Ideen zu generieren und anschließend die Ideen mit der Realität kompatibel machen. Zukunft heißt, Entscheidungen zu treffen. Was nicht dazu gehört: Ein unkon-turiertes „Es wird schon irgendwie besser werden“.

Und was wird jetzt mit Weihnachten?

Es besteht auch für Sie die Chance, so Sie wollen, dass es ein sehr schönes Fest wird – und ganz oder in vielen Teilen anders als alle Jahre zuvor. Das Gelingen wird dann der Fall sein, wenn wir uns nicht abhängig machen von früher (wo es bestimmt viele schöne Momente gab), sondern hinschauen, was jetzt möglich ist, und diese Chancen nutzen.

Und in uns hineinhören, der eigenen aus der Situation resultierenden Angst ihren Platz zugestehen und ansonsten nach unseren Stärken forschen und die Möglichkeiten erkennen. Und wir können auch mehr als sonst an die denken, denen es in dieser Zeit nicht so gut geht wie uns und ihnen tatkräftiger helfen als sonst. Vielleicht entstehen ja so auch neue Weihnachtsrituale und ein neues „Weihnachtsfestqualitätsreferenzsystem“?

Wir jedenfalls wünschen Ihnen ein schönes Fest, einen ebensolchen Abschluss dieses sehr besonderen Jahres und viel Glück und Erfolg im kommenden Jahr. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen auch im nächsten Jahr!

Ihr

Thomas Zimmermann

und das Team von synthesis

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